„Der Weltgeschichte nicht im Wege stehen“ – Schultheater-Gruppe des SMG zeigt Romulus den Großen
Romulus züchtet Hühner. Im Hauptberuf ist er eigentlich Kaiser von Rom, aber der Job macht im Moment einfach keinen Spaß; die Staatskasse ist schon lange leer, die Armee ist geflüchtet, die Germanen bedrohen das Reich – sein Kollege aus Byzanz, Kaiser Zeno der Isaurier, hat auf der Flucht vor ihnen bereits bei ihm Asyl beantragt.
Seine Frau Julia nervt ständig mit ihren Vorhalten, er solle sich endlich dem Regierungsgeschäft widmen und Rom retten – eine Zumutung. Da sitzt er doch lieber den ganzen Tag beim Frühstück, trinkt Spargelwein und tut nichts. Die Büsten seiner kaiserlichen Vorgänger verramscht er nach und nach an einen Antiquitätenhändler, schließlich muss das Hühnerfutter bezahlt werden. Der Industrielle Rupf, reich geworden durch die Erfindung der Hose, bietet an, den ganzen Laden zu übernehmen und die Germanen einfach zu bestechen, Rom zu verschonen … Aber daraus wird wohl nichts, verlangt er doch als Gegenleistung Romulus’ Tochter Rea, die andere Pläne hat – im Moment nimmt sie Schauspielunterricht.
Schließlich taucht der Germanenführer Odoaker auf – Rom hat er nun zwar erobert, aber will er wirklich regieren? Da gefällt ihm die Sache mit der Hühnerzucht schon besser…
Dürrenmatts hintersinnige Komödie um den weisen Kaiser, der durch Nichtstun den Ausverkauf seines Imperiums betreibt, um der ‚Weltgeschichte nicht im Wege zu stehen’ – schließlich sind ‚Kriege spätestens seit der Erfindung des Knüttels ein Verbrechen’ – verspricht einen kurzweiligen Abend voll absurder Komik; präsentiert wird sie von der Theatergruppe des Sebastian Münster–Gymnasiums Ingelheim unter der Leitung von Christoph Klein.
Die ursprünglich für den Mai geplanten Aufführungen sollen nun – natürlich unter strikter Einhaltung der Corona-Hygiene-Maßnahmen – gegen Ende des Jahres 2020 stattfinden – die genauen Termine werden noch bekanntgegeben.
Christoph Klein