Gefördertes Projekt des Ministeriums

Am 22. Mai 2019 fuhren die Klassen 10f (KL: Frau Zillien) und 10g (KL: Herr Merklein) gemeinsam in das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, dem einzigen damaligen Konzentrationslager auf französischem Boden. Gefördet wurde diese Fahrt durch das Land Rheinland-Pfalz, das seit 1994 Fördermittel für Präventionsarbeit an den Schulen zur Verfügung stellt. Die Schülerinnen und Schüler wurden im Deutschunterricht mit altersgemäßem Material versorgt und übernahmen Kurzreferate für interessante und denkwürdige Stationen vor Ort. In den nachbereitenden Schülertexten kann man die Wirkung dieser beeindruckenden Gedenkstätte auf die Schülerinnen und Schüler deutlich erkennen.


Persönliche Gefühle und von Schülerinnen und Schülern der Klasse 10f


Am 22. Mai 2019 besuchten wir, die 10f, das ehemalige KZ Natzweiler-Struthof. Nach einer dreistündigen Fahrt erreichten wir das Elsass und unser erster Halt war der Bahnhof Rothau.


Dort hielt ich gemeinsam mit einem Klassenkameraden einen kleinen Vortrag, wie es auch für weitere Stationen im ehemaligen KZ vorgesehen war. Zwei Wochen vor unserem Ausflug erhielten wir Materialien, unter anderem Zeichnungen, Info-Texte und Zeitzeugenberichte für ein bestimmtes Thema, um daraus einen Vortrag vorzubereiten.

Nachdem wir uns den Bahnhof angesehen hatten, stiegen wir wieder in den Bus und fuhren die acht Kilometer lange Straße, die von den KZ-Häftlingen gebaut worden war, hinauf. Dabei sangen wir das Lied „Die Moorsoldaten“, das von Häftlingen in einem anderen KZ damals komponiert worden war. Oben angekommen, stiegen wir aus und meldeten uns an. Wir liefen ein kurzes Stück und kamen an einen höher gelegenen Punkt, der kurz vor dem Eingangstor lag und von dem man einen Überblick über das komplette Gelände hatte.


Dieses KZ war eher ein kleineres, aber trotzdem war es erschreckend, sich vorzustellen, wie viele Baracken mit Tausenden von Menschen dort standen. Wir liefen über das ganze Gelände und hörten jeweils die einzelnen Vorträge zu den Themen. Meiner Meinung nach war es am schlimmsten, den Zeitzeugenbericht über das Krematorium zu hören, da dort teilweise die Widerstandskämpfer aus Frankreich lebendig verbrannt worden waren. Danach besichtigten wir noch das Krematorium, in dem noch der Ofen und einzelne Schuhe ausgestellt waren. Es war unvorstellbar, dass in diesem Ofen so viele Menschen ihren qualvollen Tod erleiden mussten.


Auf der Rückfahrt fragte ich mich, wieso wir eine der ersten 10. Klassen von unserer Schule sind, die diesen Ort besuchen. Ich finde, dass dieser Ausflug fest im Lehrplan stehen sollte, da jeder einen so schrecklichen Ort besuchen sollte, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Wir haben schon sehr viel darüber in der Schule gelernt und durch den Besuch konnte man es sich noch besser vorstellen und es wurde deutlicher, wie menschenverachtend die Häftlinge behandelt wurden. Außerdem denke ich, dass viele Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht nicht aufmerksam genug sind und dieses Thema nicht richtig mitbekommen, weshalb dieser Ausflug es ihnen noch näher bringt. Wir Deutschen sollten uns für diese Verbrechen nicht die Schuld geben oder verurteilt werden, da es vor unserer Generation war, aber dennoch darauf aufmerksam gemacht werden.

Jana Runge, 10f (Schuljahr 2018/19)


Die deutsche Geschichte ist befleckt. Um die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus besser zu verstehen, sind wir, die 10f, am 22. Mai 2019 in das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass gefahren. Nach einer dreistündigen Busfahrt kamen wir an dem Bahnhof Rothau an, an dem auch die Häftlinge immer angekommen waren. Allerdings hatten diese keine so angenehme Fahrt wie wir. Die Häftlinge wurden acht Tage in einem Viehwaggon mit dem Zug zu dem KZ gebracht. Sie mussten die ganze Zeit während der Fahrt regungslos mit vielen anderen Häftlingen auf dem Boden des Waggons sitzen. Zum Liegen war kein Platz und bei der kleinsten Bewegung wurden die Häftlinge von den Posten, die in den Abteilen auf- und abgingen, geschlagen und bestraft. Für mich ist das unvorstellbar. Den Weg vom Bahnhof bis zum Lager wurden die Inhaftierten hochgetrieben. Aufgrund des langen regungslosen Sitzens konnten sie die ersten hundert Meter nicht laufen. Da sie aber von den Aufsehern gezwungen wurden, krochen sie den Berg hinauf.

Die Vorstellung, dass die Häftlinge selbst das Konzentrationslager aufbauen mussten, ist makaber. Die Gefangenen mussten ihre eigene Todesstätte aufbauen, das muss man sich mal vorstellen.
Um das ehemalige Geschehen nachvollziehen zu können, wurde jede Station im KZ von einer Zweier- bzw. Vierer-Gruppe aus unserer Klasse bearbeitet und vorgestellt. So haben wir alle zum Beispiel etwas über die Krankenstation, den Alltag und den Bau des KZs erfahren. Am meisten ist mir das Krematorium in Erinnerung geblieben. Dort ist auch noch vieles von der damaligen Zeit zu besichtigen. Man kann die Haken sehen, an denen die Häftlinge erhängt wurden und den Ofen, in welchem sie anschließend verbrannt wurden. Die Vorstellung, dass gegen Kriegsende französische Widerstandskämpfer bei lebendigem Leib verbrannt wurden, ist grausam.

Durch den Ausflug in das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof wurden einem die schlimmen Verbrechen der Deutschen bewusst. Ich denke, dass sich der Besuch gelohnt hat, weil man auch der heutigen Generation vor Augen führen muss, wie schlimm und brutal die damalige Zeit war. Indem diese Grausamkeit wieder in Erinnerung gerufen wird, soll verhindert werden, dass die Deutschen erneut etwas so Schreckliches machen. Aber nur weil sich die Situation in Deutschland verbessert hat, darf man nicht aufhören, sich für Freiheit und Menschenrechte einzusetzen, denn in vielen Orten auf dieser Welt herrschen immer noch Zustände wie in der Zeit des Nationalsozialismus. Vielleicht nicht mehr in dem Ausmaß, aber mit der gleichen Brutalität und Menschenverachtung.

Florian Weiler, 10f (Schuljahr 2018/19)


Das abschüssige Gelände des Konzentrationslagers Struthof bei Natzweiler im Elsass, eine von malerischen dicht bewaldeten Berghängen eingefasste Fläche, die sich in mühevoll aus dem Boden gegrabenen Stufen gen Himmel reckt, vermag als Schauplatz unaussprechlicher Gewalt gegen Menschen und ihr Recht auf Freiheit zu wirken, was eine Lehrerin oder ein Lehrer so niemals vermitteln könnte.

An diesem Ort zu stehen, an dem Tausende vorsätzlich und gezielt umgebracht und gefoltert wurden, mag vielen Schülerinnen und Schülern der Klassen 10f und 10g des Sebastian-Münster-Gymnasiums deutlicher als jede Dokumentation, jede Zeichnung oder jeder noch so detaillierte Text das Ausmaß der Gewalt und des zerfressenden Hasses vor Augen geführt haben.

Der erste Eindruck, den man nach der circa dreistündigen Busfahrt nach einem ersten Blick auf das ehemalige KZ gewann, war vor allem durch den Gedanken geprägt, dass hier, wo ich jetzt gerade gehe und stehe, Menschen unter unvorstellbaren Lebensumständen bei harter Arbeit ein elendes Dasein fristeten. Zunächst erwartete uns ein von rostigem Stacheldraht umwickeltes Holztor, das uns weit geöffnet anstarrte. Von dem Lager waren nur drei der ursprünglich 12 Baracken, der doppelte Stacheldrahtzaun mit den Wachtürmen und das Krematorium, das die interessiertesten und schreckerfülltesten Blicke auf sich zog, übrig. In der Summe war also von dem Lager nicht mehr viel übrig. Dennoch reichte der Ofen im Krematorium, der nicht nur bereits verstorbene oder ermordete Häftlinge einäscherte, sondern auch aus Bequemlichkeit der Nazis lebenden Gefangenen auf grausame Weise den Tod brachte, um dem Besucher einen kleinen, für diesen kaum nachvollziehbaren Blick in den Alltag eines KZ-Häftlings zu ermöglichen.

Ich denke, dass die Erhaltung dieses Ortes, an dem das dunkelste und beschämendste Kapitel unserer deutschen Geschichte zu studieren ist, den abscheulichen Gedanken der Diktatur unter Adolf Hitler, ein lehrreiches Denkmal setzt und jedem Besucher dieses Ortes den unschätzbaren Wert von Freiheit und Einigkeit vor Augen führt. Ein schützenswertes Gut, das alle Tore Europas und auf der ganzen Welt weit offen halten sollte und jedem Menschen die Möglichkeit der freien Meinungs-äußerung gibt.

Lorenz Niemann, 10f (Schuljahr 2018/19)