Ingelheim zeigt Gesicht

Am Samstag, den 15. August hatte die Partei „Die Rechte“ eine Demonstration in Ingelheim angemeldet. Entgegen eines ursprünglichen Verbotes der Demonstration und trotz vieler Beschwerden von unterschiedlichen Organisationen in Ingelheim durfte die Demonstration gemäß eines gerichtlichen Urteils doch stattfinden. Das Ingelheimer Bündnis In-RAGE und weitere Gruppierungen, die sich gegen Rassismus und für Zivilcourage einsetzen, haben sich dann dazu entschlossen, mit mehreren Veranstaltungen wichtige Orte in der Ingelheimer Innenstadt zu besetzen, um die möglichen Routen der rechten Demonstranten weitestgehend einzuschränken.

Daran beteiligte sich auch die AG Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage des SMG mit einem Infostand vor dem Gymnasium, um zusammen mit einem Fest des deutsch-israelischen Freundeskreises vor der Mediathek den Renate-Wertheim- Platz (zwischen Gymnasium und Mediathek) zu besetzen. Dieser Platz ist uns als Schule besonders wichtig, da er Renate Wertheim gewidmet ist, einem 7-jährigen jüdischen Mädchen, welches in Ingelheim gewohnt hat und in ein Konzentrationslager deportiert und anschließend dort ermordet worden ist.

Andere Gruppen (Parteien, Gewerkschaften) hatten für andere Orte in der Nähe des Bahnhofs und der Neuen Mitte Aktionen angemeldet. Die Antifa (eine antifaschistische Organisation, die sich gegen Neo-Nazis und andere rechte Gruppen stellt) war auch anwesend und konnte unter anderem mit einer Sitzblockade den Start der Demonstration der Rechten verzögern.

Da die Sorge bestand, Antifa und „die Rechte“ könnten kollidieren, war ein Großaufgebot der Polizei vor Ort (laut dem SWR: 500 Polizisten). Laut einem Artikel der TAZ vom 18.08.2020 wurde ein Teil der Antifa auf ihrem Weg zu ihrem Versammlungsort von der Polizei in der Unterführung am Bahnhof eingekesselt und mit Pfefferspray zurückgedrängt. Die TAZ berichtet von Polizeigewalt und davon, dass die Polizei Mainz Aufklärung verspricht.

Wir als AG haben von unserem Stand aus die dramatischen Szenen am Bahnhof nicht mitbekommen.

Der Tag verlief ansonsten ruhig und es waren viele (einige hunderte) Menschen zu sehen, die sich gegen die rechten Demonstranten gestellt und die Vielfalt Ingelheims repräsentiert und verteidigt haben. „Die Rechte“ konnte mit der eigentlich für 14 Uhr geplanten Demonstration erst um ca. 16:30 beginnen und auch nur eine wesentlich kürzere Strecke zurücklegen.

Isabel Korus, 10a